Claudia Langer

 

Ich bin großgeworden in der Zeit des sauren Regens, des Nato-Doppelbeschlusses und des Tchernobyl-Reaktorunfalls, und war in meinem jugendlichen Leichtsinns davon überzeugt, dass die Welt sowieso untergeht. Um mich abzulenken, bin ich in die Werbung gegangen und hatte viel Spaß.

Das mit der Ablenkung hat prima funktioniert.

Bis ich Kinder bekommen habe.

 

Da habe ich mich gefragt, was wesentlich ist und wie ich all das, was ich kommunikativ gelernt hatte, für das Gemeinwohl und nicht mehr für Konzerne einsetzen kann, damit unsere Kinder eine bessere Zukunft haben, als die, die sich gerade am Horizont abzeichnet.

Herausgekommen ist dabei Utopia.de Deutschlands größte Plattform für nachhaltiges Leben und nachhaltigen Konsum, und die Utopia Stiftung, heute re.start foundation.

Und eine Initiative, mit der ich 100.000 Verbündete gefunden und wir gemeinsam einiges bewegt haben: Das Generationenmanifest: www.generationenmanifest.de

 

Ich muss gestehen, ich fahre sehr gerne Auto. Als Jugendliche war mein Traum Rennfahrerin zu werden. Mit steigendem Umweltbewusstsein ist der Traum ins Hintertreffen geraten, aber einmal musste es sein und ich bin eine Rally durch Afrika gefahren.

Als ich mir, als Mutter von 3 Kindern, vor ein paar Jahren ein Auto gekauft habe, habe ich lange recherchiert und mit allen möglichen Experten gesprochen, welches das umweltfreundlichste und daher gerade noch vertretbare Modell auf dem Markt ist. Ich habe mich richtig reingehängt und wollte die absolut richtige Wahl treffen.

 

Herausgekommen ist dabei der völlig spaßbefreite VW Passat mit 115 PS, der nur 116g ! Co2-Ausstoß hatte. Seit Dieselgate weiss ich, dass ich doch eine Dreckschleuder fahre und bin auf 180.

Nicht alleine wegen des Betrugs, sondern auch, weil ich die VW Führung im letzten Jahr als völlig konfus, intransparent und stümperhaft empfunden habe und VW nicht mehr abnehme, dass sie es mit einer Behebung des Schadens ernst meinen.

 

Als VW-Kundin fühle ich mich betrogen und schlicht mit dem Problem allein gelassen.

 

Vor ein paar Wochen habe ich mich an alle Mitglieder des VW Vorstands gewendet und die Reaktionen bzw. Nichtreaktionen haben mich in meinem Gefühl bestärkt, dass hier auf Zeit gespielt wird. Man hat mir zwar ein Gesprächsangebot gemacht, aber es wird immer wieder verschoben.

 

Ich wundere mich darüber, wie fatalistisch wir VW-Besitzer den ganzen Skandal an uns vorüber ziehen lassen, wie ohnmächtig und still wir alle sind.

Aber je mehr Details gerade herauskommen, umso mehr finde ich, wir müssen uns zur Wehr setzen. Das Signal, dass sich jeder systemrelevante DAX Konzern, von Banken bis Chemie alles erlauben kann, weil die Regierung ihn letztlich beschützt, wie Herr Dobrindt es jetzt gerade bei VW tut, wäre fatal.

 

Das dürfen wir uns nicht gefallen lassen, daher dieser Aufschrei.

 

 

 

Patrick Palmer

 

Das erste Auto, an das ich mich erinnern kann, ist der VW Käfer meiner Mutter.
Mein Fahrschulfahrzeug war ein Golf GTD. Mein erstes eigenes Auto ein Golf I.


Mit der Familiengründung vor einigen Jahren kam dann der Sharan TDI - der mit dem EA 189 Motor.

 

Bin ich ein klassischer VW-Typ? Auf jeden Fall. Mag ich die Autos? Keine Frage. Komme ich mit dem Konzern und seinem Verhalten in jüngster Zeit noch klar? Nicht wirklich.

 

Und darum wünsche ich mir den in dieser Initiative angestrebten Dialog mit dem Führungspersonal von VW. Volkswagen kann und muss das besser hinbekommen, als das in den vergangenen 12 Monaten der Fall war.

 

 

Als Claudia und ich über diese Initiative  nachdachten irgendwann im September 2016, hatte ich erhebliche Zweifel  ob es in Ordnung ist, sich auf VW zu konzentrieren - schließlich ist inzwischen bekannt geworden, dass es auch andere Hersteller nicht immer so ganz ernst gemeint haben mit Ihren Angaben und Werbeversprechen zur Umweltverträglichkeit Ihrer Fahrzeuge. Und spielt es wirklich eine so große Rolle, wie der Schwindel zustande gekommen ist? Und wäre es nicht klüger, sich gleich an die Politik zu wenden - die hat schließlich nicht nur Vorgaben gemacht, die sie nicht zu überprüfen bereit war, sondern auch unklare Ziele für die Beseitigung des entstandenen Schadens formuliert.

 

Ich kam zu dem Ergebnis, dass es in jedem Fall in Ordnung ist, sich hier auf VW zu konzentrieren. Erstens bin ich VW-Besitzer, und damit vertrete ich  zunächst ein Mal einen  Anspruch gegenüber dem Hersteller meines Fahrzeugs. Zweitens hat VW auf breiter Front betrogen, und nicht nur vereinzelt oder unter Ausnutzung von Gesetzeslücken. Drittens hat VW wie kaum ein anderer Konzern mit dem sauberen Diesel geworben - wäre dies nicht der Fall gewesen, hätten wir uns keinen VW Diesel mit BlueMotion gekauft.

 

Bleibt noch die oft angesprochene Frage, ob mit solchen Initativen nicht Arbeitsplätze gefährdet werden. Das läge nicht in meinem Interesse. Schon deswegen nicht, weil ich erhebliche Zweifel daran habe, dass die Masse der Arbeiter bei VW etwas mit der Betrugssoftware zu tun hatte.

 

Ich bin der festen Überzeugung, dass es für die Prosperität von VW am besten ist, vollständig aufzuklären, der Entschuldigung Taten folgen zu lassen, und möglichst schnell möglichst alle Fahrzeuge umweltfreundlich umzurüsten. Das wendet am ehesten Schaden vom Konzern ab - und daher sehe ich keinen Widerspruch zwischen unserer Initiative und dem Erhalt von Arbeitsplätzen bei VW.

 

Ich hoffe, dass sich möglichst viele diesen Standpunkt zu eigen machen können und sich deshalb ohne schlechtes Gewissen und mit einer guten Portion Wut auf die VW Führung unserer Initiative anschließen.

 

 

Patrick Palmer und Claudia Langer